Ostern ist in Spanien nicht so, wie wir es kennen. Wir wollten es kennenlernen, und haben uns auf eine wunderbare Reise begeben …
Trujillo
Auf dem Weg von Salamanca nach Süden durchquert man die Region Extremadura. Korkeichenwälder, ab und zu Weizenfelder, Mäuerchen, die die Grundstücke abtrennen. Man hat das Gefühl, ewig durch das weite Land fahren zu können, ohne ein Lebenszeichen zu sehen. Und dann plötzlich Trujillo. Eine Stadt, die sicher auch aufgrund der kargen Lebensverhältnisse Eroberer hervorgebracht hat. Von hier kamen Pizarros und Orellanas – in Südamerika unterwarfen sie Völker. Auch jetzt noch spürt man die historische Größe dieser Stadt. Im Stein der Gebäude, die von Storchennestern bedeckt sind, und in den engen Gassen, die malerisch sind, wenn auch nicht gerade für Autos gemacht. Und noch etwas bleibt uns im Gedächtnis: Ein wunderbares kleines Restaurant, wo wir den erdigen Wein der Region trinken und die deutsche Speisekarte übersetzen. Trujillo – der perfekte Ort, um unsere Reise in den Süden zur Semana Santa in Andalusien zu starten.
Córdoba
Eine Stadt, die viel zu bieten hat. Enge Gassen, die uns in frühere Jahrhunderte entführen, Balkone voller Blumen, lauten Flamenco, dessen Feuer am besten mit einem Glas Jérez genossen wird und nicht zuletzt die berühmte Mezquita, ein Bauwerk, das zeigt, dass Córdoba eine wechselvolle Geschichte hatte. Heute wäre diese Moschee eine der größten der Welt – gäbe es nicht die Kirche in ihrem Inneren … Umso gespenstischer wirken auf uns die ersten Prozessionen, die wir erleben. Die vermummten Gestalten passen fast nicht durch die Gassen, immer wieder müssen die Zuschauer ausweichen, es entsteht Gedränge, oft geht es gar nicht mehr weiter und wir nehmen einen anderen Weg. Unterbrochen wird die nächtliche Prozession nur einmal, als eine Frau ergreifenden Gesang von ihrem Balkon anstimmt und die Kapelle verstummt.
Granada
Ein klingender Name – wer kennt die Alhambra nicht, die rötliche Festung, die über der Stadt liegt? Sie fesselt uns und scheint allgegenwärtig und ist jede Reise hierher wert. Doch noch mehr begeistert uns: Schon in Córdoba ist der muslimische Einfluss in Spanien spürbar, hier in Granada wird er präsent. In manchen Straßen wähnt man sich in Marokko, überall gibt es Teeläden und Marktstände, die aus Tausendundeiner Nacht zu stammen scheinen. Wir verlieren uns im maurischen Viertel, finden stille nächtliche Plätze und schließlich ein kleines Restaurant, wo wir liebevoll und köstlich bekocht werden. Das Kätzchen fasst Zutrauen und die Besitzerin erzählt uns nun viel über das Leben der Muslime vor Ort, so dass wir wiederkommen. Neben diesen Eindrücken – dem Tag in der Alhambra und dem marrokanischen Flair der Stadt – sind die Osterprozessionen, die direkt an unserer Pension vorbeiführen, nur ein Ereignis mehr. Auch hier packend, auch hier ein wenig bizarr.
Ronda
Die Straßen schlängeln sich durch den Nebel. Immer höher und höher. Bis wir Ronda erreichen – ein Städtchen, das buchstäblich am Abgrund gebaut ist. Schon zu römischen Zeiten gab es hier eine Brücke, denn die strategische Lage war Gold wert. Noch beeindruckender ist aber fast die neuer Brücke, die sich in gigantischen Bögen über die Schlucht wölbt. Dass Ronda auch für seinen Stierkampf berühmt ist, interessiert uns auf unserem Abstecher nicht so sehr.
Tarifa
Wenn man Glück hat, dann sieht man vom Strand in Tarifa Marokko – so nah ist der Kontinent Afrika von hier aus. Wir kamen zu Sonnenuntergang an und genossen den rauen Wind, der noch ein paar Kitesurfer vor sich hertrieb. Traumhaft schön.
Cádiz
Die Halbinsel ist vom Meer umtost – ein perfekter Ort, um die Seefahrt über Jahrhunderte zu koordinieren. Als wir ankommen, landen wir mitten in einer der beeindruckenden Prozessionen. Wunderbare, berührende Klänge erleben wir in Cádiz. Eine andere Welt. Schon am nächsten Tag beginnt es zu nieseln, obwohl es zu dieser Stadt passt. In den Pfützen spiegeln sich die Häuser während wir durch Cádiz streichen und zum Mittagessen Fisch genießen.
Sevilla
Ein Jahrhundertereignis: Regen zur Semana Santa in Sevilla. Seit den 30er Jahren ist es zum ersten Mal wieder geschehen, dass die prunkvollen Umzüge dieser Stadt nicht zu sehen waren. Die Holzfiguren und die silbernen Sänften mit Baldachin sind einfach zu kostbar, um durch Wasser zu Schaden zu kommen. Nun sammelt sich alles vor den Kirchentüren, um wenigstens ein paar Blicke zu erhaschen. Die Stimmung ist gedrückt. So sehr hatte man auf besseres Wetter gehofft – nun war all die Vorbereitung umsonst. Doch die riesige Kathedrale und der Blick von ihrem Turm, der Giralda, sind auch bei Regen beeindruckend.
Guadalupe
Ein Dorf. Ein Wallfahrtsort. Namensgeber für zahlreiche Städte in Lateinamerika wegen seiner Madonna. Mitten im Nirgendwo liegt Guadalupe, kaum auf der Landkarte zu finden. Doch der Ort hat seinen eigenen Zauber, nicht nur, weil er unsere letzte Station auf dem Rückweg nach Salamanca markiert. Wir erleben die Semana Santa nochmals neu: Weil es nieselt, werden die Figuren durch den Kreuzgang getragen. Voran schreiten Dorfbewohner mit Lichtern, die Träger sind ohne Vermummung, auch Frauen sind dabei. Eine sehr persönliche Erfahrung.
Salamanca
Zurück in Salamanca, meiner Heimat auf Zeit. All die Eindrücke dieser Tage lassen wir ausklingen, erleben hier noch eine letzte Prozession mit großem Osterspektakel auf der Plaza Mayor und sehen die Menschen unter den Kapuzen.